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When I'm the little Girl - Kapitel 01


September 1997. Das Datum, dass das letzte Schuljahr in Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei, für die Siebklässler dieses Jahrgangs ankündigt. Einige sahen dem Ende ihrer Schulzeit mit Wehmut entgegen, andere konnten es überhaupt nicht erwarten und wieder andere ignorierte es förmlich und konzentrierten sich vollkommen auf die UTZe, die am Ende anstehen würden. Zu den letzteren konnte sich auch eine Schülerin mit langem gelockten braunen Haar und ebenso braunen Augen zählen, die – kaum hatte die Schule begonnen – sich schon zwischen meterhohen Bücherstapeln an einem der hintersten Tische in der Bibliothek verstaut hatte. Hermione Jean Granger.

Diese Schülerin war in gewisser Art und Weise eine der ungewöhnlichsten die Hogwarts je gesehen hatte. Sicher, in fast jedem Jahrgang gab es immer einen „Streber“, doch bis jetzt war es immer ein Mensch gewesen, der auch nie in der Lage dazu gewesen ist, irgendetwas zu riskieren. Hermione tat dies jedoch. Zwar stürzte sie sich äußerst ungern in neue Abenteuer mit ihren Freunden Harry Potter und Ron Weasley, sie musste jedoch zugeben, dass der Nervenkitzel des Ganzen, sie doch dann auch ziemlich verlockte. Für ihren heutigen Besuch in der Bibliothek gab es aber einen ganz bestimmten Grund, der sie allerdings mehr als beunruhigte.

An ihrem ersten Schultag hatte Hermione einen äußerst seltsamen Brief erhalten. Eine schwarze Schleiereule, die sie noch nie zuvor gesehen hatte, brachte ihr die Botschaft „Hilfe“. Anfangs hatte Hermione diese Bitte als Scherz abgetan. Hilfe? Wer bat denn schon ein Schulmädchen um Rat und vor allem, wer nannte dann nicht seinen Namen und erklärte, wie sie ihm helfen konnte?
Dann jedoch wurden diese Briefe zu ihrer Standartmorgenpost. Nie jedoch wurde nur ein Wort mehr erwähnt als dieses. Harry Potter und Ronald, genannt Ron, Weasley, hatten ihr geraten beim nächsten Mal die Schleiereule einzufangen und eine Nachricht zurückzuschicken. Das sagte sich allerdings leichter, als es sich tat.

Heute war wieder ein vergeblicher Versuch gewesen den Vogel einzufangen. Sie war sogar so weit gegangen die Eule mit einem Zauberspruch zu belegen, verfehlte diesen jedoch und erwischte aus versehen Neville, der unter einem lauten Krächzen aus der Großen Halle rannte. Was genau der Zauberspruch bei ihm bewirkt hatte, wusste sie nicht wirklich, denn seitdem hatte sie ihn nicht mehr zu Gesicht bekommen. Jedoch musste sie ehrlich zugeben, eigentlich war es ihr egal wie es ihm ging. Es hörte sich zwar herzlos an, doch Hermione war innerlich ziemlich aufgewühlt und fast sogar schon in Panik.

Warum genau, ließ sich ebenfalls mit einer weiteren Botschaft erklären, die sie vor der Eule erhalten hatte. Jedoch nicht in Form eines Briefes. Als sie heute Morgen aus der Dusche trat und sich das trockene Handtuch um den Körper geschlungen hatte, war ihr Blick auf den Spiegel gefallen. In diesem Moment wäre ihr fast das Herz stehen geblieben. Zwischen dem Dampf, der sich auf dem Spiegel gelegt hatte, waren in Großbuchstaben die Worte: „HILF MIR!“ geschrieben gewesen. Über diese Erkenntnis hatte Hermione nicht anders gekonnt, als einen spitzen Schrei auszustoßen und so schnell sie konnte als dem Badezimmer zu eilen. Diese Worte an ihrem Spiegel hatten sie sogar so sehr in Panik versetzt, dass sie sofort Ron – der mit ihr zusammen zum Schulsprecher ernannt worden war und deshalb die selbe Wohnung mit ihr teile – als Schuldigen vermutete und es hatte wirklich seine Zeit gebraucht sie zu überzeugen, dass er es nicht war.

Allerdings ließ Hermione das keineswegs ruhiger werden. Irgendwer oder irgendetwas schickte ihr seltsame Briefe und schrieb Nachrichten an ihren Spiegel, während sie unter der Dusche stand. Es war doch nur zu verständlich, dass man dadurch in Panik geriet.
Sie mochte sich überhaupt nicht ausmalen, wie die nächste Bitte an sie gebracht werden würde. Was jedoch das Schlimmste war und ihrem Gewissen keine Ruhe lassen wollte, war die Tatsache, dass diese Person, die dahinter steckte, vielleicht wirklich ihre Hilfe benötigte und sie möglicherweise einfach nicht den Schlüssel zu seiner Rettung erkennen konnte. Genau deshalb verbrachte sie nun ihren Nachtmittag in dieser Bibliothek und wenn sie ehrlich war, waren ihr Bewehgründe heute die Schlimmsten, die es jemals gegeben hatte.

Genau in dem Moment als Hermione ein dickes verstaubtes Buch in grünem Einband mit der goldenen Aufschrift Seltsame Nachrichten und Hilferufe zuklappte und den Kopf in ihre Hände stützte, traten Harry und Ron in die Bibliothek. Beide tauschten besorgte Blicke, als sie Hermione mit einem deutlich erschöpften Gesichtsausdruck erkennen konnten und setzte sich zu ihr.
„Na? Schon war gefunden?“, wollte Ron wissen. Er griff nach ihrem Buch und betrachtete es. „Seltsame Nachrichten und Hilferufe“, las er den Titel.
„Hört sich doch gut an“, meinte Harry.
Langsam sah Hermione wieder auf und schüttelte den Kopf. „Eben nicht. Dieses Buch ist der Inbegriff von Verschwörungstheorien.“

Ron zog die Braune empor und blätterte darin herum. Bei einer beliebigen Stelle hielt er inne und entzifferte einen Absatz in ziemlich alter brüchiger Schrift.

Nicht selten kommt es vor, dass Hexen oder Zauberer von seltsamen Nachrichten, häufig auch Tagträumen, heimgesucht werden. Diese Botschaften sind als sehr schlechtes Zeichen zu nehmen, denn man sollte sich in solchen Momenten auf alles gefasst machen. Viele dieser Hexen oder Zauberer waren in ihrem früheren Leben böse und ein Fluch den man über sie gelegt hatte, sollte verhindern, dass sie in ihrem nächsten Leben genauso schreckliche Taten vollbrachten, wie in ihrem vergangenem. Tagträume sind oft letzte Hilferufe ihres früheren Lebens, die sie erreichen wollen, in der Hoffnung, dass es noch eine Rettung für sie geben möge.

Ron schluckte und hob vorsichtig wieder seinen Blick. Die Miene Hermiones hatte sich nicht geändert. Noch immer saß eine ziemlich müde, doch unbeeindruckte Hexe vor ihnen, die diese Zeilen wahrscheinlich schon auswendig kannte.
„Das ist gar nicht gut“, murmelte er trüb und schüttelte dabei leicht den Kopf. „Nein, das ist gar nicht gut.“
Harry starrte einfach nur nachdenklich auf die Worte. „Das kann doch nicht sein. Selbst wenn es in diesen Fällen so gewesen ist, heißt das doch nicht, dass es auf dich zutreffen muss!“
„Aber es heißt auch nicht das Gegenteil“, erwiderte Hermione.

„Doch in diesem Buch steht, Hexen und Zauberer erhalten solche tödlichen Nachrichten. Du bist im Grunde ein Muggel, wahrscheinlich warst du in deinem früheren Leben keine Hexe und außerdem hattest du nicht einmal so einen Tagtraum.“
„Na ja, mag sein, doch seltsame Botschaften reichen auch aus, steht doch da.“ Hermione hielt inne. „Das mit dem früheren Leben... bist jetzt war ich ja nicht wirklich überzeugt davon, dass es so etwas gibt, doch so langsam...“
„Nein!“ Ron klappte das Buch wieder zu und warf es achtlos auf einen Haufen von weiteren Büchern. „Hermione, vergiss diesen ganzen Quatsch. Früheres Leben und dieser ganze Mist. Mag sein, doch du und ein schlechter Mensch? Niemals! Meiner Meinung nach sollte sich eher Malfoy Sorgen machen, ob er nicht vielleicht in den nächsten Tagen von irgendwelchen Geistern der Vergangenheit den Gar ausgemacht bekommt.“

Hermione setzte ein mattes Lächeln auf. Wirklich beruhigen konnten sie Rons Worte allerdings nicht. „Das ist ja ganz nett Ron, doch ich denke, wir sollten uns auf den Ernstfall vorbereiten. In den anderen Büchern habe ich nicht wirklich Hilfreiches gefunden. Es gibt eigentlich keine andere Möglichkeit.“
„Wie sieht es mit Telepathie aus?“, wollte Harry wissen. „Vielleicht braucht jemand deine Hilfe und sendet in Gedanken Nachrichten an dich.“
Abermals schüttelte Hermione mit dem Kopf. „In der Telepathie bittet man meist Personen um Hilfe, mit denen man durch irgendeine Art und Weise in Kontakt steht oder die man kennt. Ich habe vor ein paar Tagen all meine Bekannten und Freunde gefragt wie es bei ihnen steht, doch da ist alles in Ordnung. Niemand von ihnen benötigt irgendwie Hilfe. Telepathie ist ausgeschlossen.“

Harry und Ron tauschten wieder Blicke. Hermione konnte nicht zusehen, wie ihre Mienen immer betrübter wurden und wandte sich ab. Ihre Augen wanderten durch die große Bibliothek, von einem Bücherregal zum nächsten und wieder zurück. Auf einmal machte sie dieser Ort seltsam wehmütig. Schon immer war es im ganzen Schloss ihr Lieblingsort gewesen, sie mochte ihn sogar lieber, als irgendeinen anderen auf der Welt. Der Gedanke daran, hier zu erfahren, dass sie möglicherweise sterben musste, versetzte ihr einen schmerzhaften Stich.
„Ich denke wir sollten zurück in den Turm. Hier gibt es nichts mehr zu finden“, meinte sie schließlich wieder zu Harry und Ron.
„Hast du denn schon nach einer Möglichkeit gesucht, wie wir diesen Fluch berechen können?“, wollte Harry aber wissen.

Hermione nickte. Es war eine Lüge, doch sie wusste, dass sie nicht nach einer Möglichkeit suchen musste. Ihr war bewusst, dass sie keine finden würde. Sie wollte nicht die letzten Tage damit verbringen verzweifelt nach einer Lösung zu suchen, sondern sie lieber genießen.
„Dann...“, begann Harry, wurde aber plötzlich von einem lauten Knall unterbrochen. Ron hatte mit der Faust wütend auf den Tisch geschlagen. Sofort zog er damit die Aufmerksamkeit Mrs Pince auf sich, die ihnen einen strengen Blick zu warf.
„Ich bitte Sie das zu unterlassen“, scharrte sie mit kalter Stimme. „Oder ich muss Ihnen wohl oder übel das nächste Mal den Zutritt zu verweigern.“

Ron kümmerte sich aber nicht weiter um ihre Worte. Er schenkte ihr nicht mal einen kleinen Blick, sondern ließ ihn auf Hermione verweilen. Auf einmal merkte diese, dass sie sich äußerst unwohl in ihrer Haut fühlte. Dieses Mitleid und die Hilflosigkeit in ihren Gesichtern war fast erdrückend.
Schnell wandte sie sich wieder ab und packte ihre Sachen zusammen. „Wie gesagt, ich geh jetzt zurück. Ihr könnt ja noch bleiben“, meinte sie, bevor sie mit schnellen Schritten die Bibliothek verließ. Kaum fiel die Tür zu dieser ins Schloss, fühlte sie sich auch schon viel besser. Allerdings wusste Hermione, dass dieser Zustand wahrscheinlich nicht ewig anhalten würde.

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