In Words...
In Words

Gemeißelt in Eis - Prolog


Er schritt durch die gleißende Helligkeit, die ihm wie ein einziges Labyrinth aus Spiegeln vorkam. Die drohende Stille vermischte sich mit den leisen Klängen seiner wiederhallenden Schritte und hin und wieder war auch ein leises Klirren in der Luft zu vernehmen. Dieses Klirren kam von den Eiskristallen, dass wusste er.
Nacht für Nacht erlebte er den selben Traum. Nacht für Nacht musste er diese Hölle wieder und wieder ertragen und Nacht für Nacht war das Ende das Gleiche.

Hier in dem großen Einpalast war das Einzige, was er zu Gesicht bekam, seine eigenes Spiegelbild. Würde er einen Blick hinein, zu Seite werfen, sähe er in die Augen eines großen 25-jährigen Mannes mit breiten Schultern und athletischer Statur, dessen rabenschwarzes Haar verwuschelt von allen Seiten seines Kopfes stand und von den hellen grünen Augen kritisch gemustert wurde.

Sein Aussehen interessierte ihn allerdings heute genauso wenig, wie die Nächte zuvor. Stattdessen steuerte er zielstrebig geradeaus, um seine Schritte aber zu beschleunigen fehlte ihm einfach die Macht. Schon erblickte er ihn.
Man mochte es kaum für möglich halten, doch die kristallene durchsichtige Form des Sarges vor seinen Augen, gab einen noch helleren Glanz ab, als der Rest des Eisschlosses.

Am liebsten wäre er in diesem Moment stehen geblieben, diesen Gefallen jedoch wollten ihm seine Füße nicht gewähren. Der Sarg kam immer näher und näher. Kurz vor ihm, blieb er stehen und sah auf ihn herab, während sich sein Herz von einer Sekunde auf die andere schmerzhaft zusammenzog.

Langsam streckte er seinen Hand nach der kalten Hülle aus. Als seine Finger das Eis berührten, durchfuhr ihn bitterer Schauern und noch größere Sehnsucht, als er sowieso schon empfand, wenn er ihr Gesicht sehen musste.
Wie ein Engel lag sie zwischen dem blutroten Stoff mit dem der Kristallsarg ausgelegt war. Ihre Augen geschlossen, die Haut blass und der Körper in ein langes weißes Kleid aus Seide gehüllt, während das braune lockige Haar sanft ihr Gesicht umrahmte.

Öffne die Augen!, flehte eine Stimme tief in ihm und in diesem Moment sank er vor dem Sarg auf die Knie und vergrub - trotz dessen Kälte - sein Gesicht auf dem Eis.
So viel und noch viel mehr hätte er dafür gegeben, wenn sie sie in diesem Moment wirklich aufschlug, wenn er das warme Braun in ihnen erblicken konnte. Es blieb ihm aber verwehrt es zu sehen.

Er wusste es schon. Bis jetzt war es immer so gewesen. Egal wie oft er sie besuchen kam, sie lag da und schlief ihren ewigen Schlaf, dabei hatte er doch nur einen Wunsch. Den Wunsch sie nur für kurze Zeit wieder für sich zu haben, damit er ihr wenigstens sagen konnte, wie viel sie ihm bedeutete...


Abonnieren? Layout by outoftheline at chaste.design
Gratis bloggen bei
myblog.de